Seit 8 Tagen läuft der letzte Chemozyklus. Vom Wohlfühlen her meist die beste Zeit. Am Anfang des Zyklus, wenn mein Körper sich vom letzten Zyklus erholt hat. Am 1. Zyklustag gibt es Cecenu , dann sind 7 Tage Pause und dann folgen 14 Tage lang Natulan. Immer in Begleitung von Antikotzmitteln. Und dann nach 3 Wochen wird langsam aber sicher die Wirkung der Medikamente einsetzen. Die Blutwerte und meine Kraft werden sinken und es bleibt abzuwarten, wie weit sie sinken und wie lange sie brauchen, um wieder anzusteigen.
Laut Chemoplan soll ein Zyklus immer mindestens 6, höchstens 8 Wochen dauern. 6 Wochen habe ich nie geschafft, schon der erste dauerte 7 Wochen. Der letzte (5.) Zyklus hat es auf 10,5 Wochen gebracht. Besseres erwarte ich diesmal nicht.
Und seit gestern ist auch wieder Tyramin-Diät angesagt. Eine Begleiterscheinung von Natulan. Denn laut Packungsbeilage kann „die gleichzeitige Einnahme von Procarbazin und Nahrungsmitteln mit einem hohen Gehalt an Tyramin zu Blutdruckkrisen führen. Daher müssen Käse, Streichkäse, Joghurt, methylxanthin-haltige Getränke (Kaffee, schwarzer Tee, Cola), alkoholische Getränke (Bier, Wein, Wermut, Sherry, Portwein), Schokolade, Hartwurst (Salami), Fleisch, Leber, Hefe oder Hefe-Extrakte, Saubohnen, Fava Bohnen, überreife Früchte, Avocado, Bananen, Feigen, Hering, geräuchertes oder mariniertes Fleisch oder Fisch, sowie nicht mehr frisches Fleisch oder Fisch vermieden werden.“ Laut Apotheke „kann es zu unerwünschten Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Fieber und Blutdruckanstieg kommen. Bitte meiden Sie tyraminhaltige Lebensmittel einen Tag vor, während und 14 Tage nach Therapieende.“
Ich habe mir daraufhin die Patientenbroschüre des Medikamentenherstellers sigma-tau heruntergeladen: http://www.sigma-tau.de/assets/Uploads/Folder-Patienten-130215-1.pdf und versuche, mich weitesgehend daran zu halten. Manchmal ist das mächtig schwer, da ich auch noch ein paar Allergien habe. Dadurch fallen dann auch noch „erlaubte“ Sachen weg. Aber ich habe es bislang immer geschafft.
Seit dem 5ten Zyklus nehme ich das Ganze nun auch noch ein wenig lockerer, weil mein Blutdruck alles andere als hoch ist. Und zum Glück ist mir alles bekommen.
Es ist eh ziemlich schwierig sich wohlzufühlen, weil die Chemo natürlich nicht spurlos an meinem Körper vorbei zieht. 10kg Gewicht habe ich verloren und seit mehreren Monaten friere ich so stark, daß ich oftmals nur mit mehreren Schichten Kleidung die Tage überstehe. Mein Hormonhaushalt wurde so in Mitleidenschaft gezogen, dass ich zwischendurch Hitzeattacken bekomme. Mein Gesicht wird knallrot und ich schwitze so heftig, dass ich alle Klamotten ausziehen will. Aber kurze Zeit später ist mir wieder eiskalt. Wenn die Übelkeit einsetzt wird mir schlecht. Dagegen gibt es auch Tabletten, die aber gerne mal Verstopfung bewirken – auch kein Zustand zum Wohlfühlen. Kurz und gut, der ganze Körper hat etwas davon auch Haut, Nägel, Magen und Darm sind aus dem Tritt, selbst der Kopf scheint mir langsamer zu denken und nur für „leichte“ Denkprozesse geeignet. Ich drücke mir selbst die Daumen, dass sich mein Körper irgendwann wieder erholt und ich mich einfach mal wohlfühlen kann.

