Ich suche Dich!

Liebes inneres Kind! Ich suche Dich. Viel zu lange habe ich Dich ignoriert, nicht verstanden, dass meine täglichen Gefühle eigentlich Deine Gefühle sind. Als ich klein war, als ich Du war wurden sie ignoriert und nicht akzeptiert. Deshalb spuken sie noch heute in mir und brechen aus, wenn ich ähnliche Situationen wie damals erlebe. Dann tauchen sie an meiner Oberfläche auf und machen mir das Leben schwer. Dann verstehe ich mich oft selbst nicht mehr und mein rationelles Denken wird von Ihnen davon gespült und unterdrückt.

Ich habe dann nicht mehr das Gefühl, mein Leben selbst steuern zu können. Oftmals scheitere ich an Entscheidungen banalster Dinge, wie z.B. die Wahl des Frühstücksbrötchens. Außerdem erschweren die unvorhergesehenen Gefühlsausbrüche das Leben mit meiner geliebten Tochter, meinem lieben Mann und allen anderen Menschen, weil ich deren Aktionen und/oder Reaktionen sehr persönlich als vermeintliche Verletzungen und negative Kritiken wahrnehme.

Das soll aufhören!!! Ich möchte mein Leben und mein Glück selbst in die Hand nehmen. Ich möchte mich nicht mehr als Spielball fühlen und mein Glück und meine Gefühle selber lenken. Gemeinsam mit Dir! Ich möchte Dich kennen lernen und bin gespannt auf unsere Begegnungen. Ich liebe Dich und akzeptiere Dich und erwarte eine spannende Reise!

Happy ChemoStartTag

Heute vor einem Jahr startete mein 1ter Chemozyklus. Ich weiß noch genau, wie unsicher ich war beim Einnehmen der 6 Kapseln Cecenu. Kein Wunder, ich habe den Beipackzettel gelesen, da wird einem Angst und Bange.  „Vermeiden Sie jeden Kontakt mit dem Inhalt der Kapsel. Waschen Sie sich nach der Einnahme die Hände.“ Gift für den Körper und hoffentlich auch für den Tumor. Aber ich habe es überstanden! Ich klopfe mir auf die Schulter und bin stolz auf mich!

Zu Beginn der Prozedur fand ein Einführungsgespräch mit einer Onkologin statt. Sie sagte: „6 Zyklen sind geplant, wenn Sie 4 schaffen, sind sie gut.“ Bis heute weiß ich nicht, warum sie das gesagt hat. Motiviert hat es mich jedenfalls nicht, eher Angst geschürt. Aber ich habe sie später nicht mehr gesprochen und alle nachfolgenden behandelnden Ärzte konnten mir nicht erklären, was sie mir damit sagen wollte.

Fakt ist, ich habe alle 6 Zyklen durchgezogen und geschafft. Manchmal auf allen vieren aber egal. Tumor – ich zeige Dir den Stinkefinger!

Tschüß Tyramindiät!

Ab heute darf ich wieder essen, was ich will. Schön! Heute liegen 6 Zyklen mit je 4 Wochen und einem Tag tyraminarmer Ernährung hinter mir. Das sind fast 25 Wochen also rund ein halbes Jahr oder auch 174 Tage. Ist zu schaffen, aber manchesmal anstrengend gewesen. Noch ist der große Appetit auch nicht wieder da, es schmeckt immer noch alles ein bisschen anders als früher und macht nicht viel Laune. Außerdem werde ich mich bemühen meine Kilos, die ich durch die Chemo verloren habe, nicht wieder zuzulegen. Ich hatte eine ganze Menge davon und fühle mich in dieser Hinsicht zumindest jetzt wohler. Schau’n wir mal…..

Ab in den Keller

Heute habe ich das Blutergebnis von gestern bekommen. Wie zu erwarten wandern die Thrombozyten langsam aber sicher wieder in den Keller. Die nächsten 2 bis 3 Wochen wird das jetzt sicher anhalten, ich werde kaputt sein, schlapp, müde und lustlos. Das sagt mir meine Chemoerfahrung. Und meine Tabelle. Ich weiß halt gerne, was auf mich zukommt und je mehr ich weiß, desto besser komme ich mit Situationen klar. Deshalb habe ich meinen Thrombozytenverlauf in einer Tabelle festgehalten, die gut zeigt, wie die einzelnen Zyklen verlaufen sind und wie sich die Wirkung der Medikamente von Mal zu Mal aufsummiert und verstärkt haben.

Das war die letzte!

Habe gerade die letzten 2 Chemokapseln geschluckt. Ein seltsames Gefühl. Vielleicht sollte ich mich freuen, tue ich auch irgendwie. Allerdings heißt das nicht, das der laufende Zyklus jetzt vorbei ist. Die Wirkung der Medikamente hat gerade erst angefangen, die Blutwerte werden jetzt wieder sinken, die nächsten Wochen nochmal sehr anstrengend. Ich werde mich schlapp fühlen und wenig Kraft haben. Sicher wird auch mein Magen-Darm-Trakt noch eine ganze Weile verrückt spielen und mir des Öfteren schlecht werden. Vielleicht wird auch noch eine Infusion fällig, wenn die Werte zu niedrig werden.
Und danach? Keine Ahnung! Erstmal möchte ich in die Reha, um zur Ruhe zu kommen und mich zu erholen. Wie lange es tatsächlich dauern wird, bis ich sagen kann, es ist vorbei, weiß ich nicht. Wie lange braucht der Körper, bis er die Chemie rausgespült hat? Wann werde ich mich mal wieder wohlfühlen können? Werde ich mich irgendwann mal wieder wohlfühlen können? Kann ich irgendwann mehr als 100 Meter laufen ohne völlig kaputt zu sein? Ich kann mir das im Moment noch gar nicht vorstellen. Nach einem ganzen Jahr Chemotherapie fehlt mir gerade die Vorstellungskraft, wie das Leben ohne Chemo sein wird.