Der 5te Chemozyklus läuft. Der 5te von 6 geplanten. Ein Ende – neues Land – ist also in Sicht. Die Frage, die mich im Moment aber partout nicht loslässt, heisst: Was für ein Land ist das? Wie sieht es aus? Was hält es für mich bereit?
Der Ort an dem ich diese Reise gestartet habe, die Tage, Stunden und Minuten vor dem MRT, liegen hinter mir. Nichts wird sich in Zukunft mehr so anfühlen, wie damals. Alle Eindrücke, Gedanken, Entscheidungen die in der Zukunft auf mich warten, werden neu sein. Geprägt von dem, was ich die letzten Monate erlebt habe.
Langsam fange ich an, zarte Pläne zu schmieden: ein schöner Urlaub, ein Konzert im Hamburger Stadtpark,…. Leider kann ich keine definitiven Termine im Kalender eintragen. Denn noch weiß ich nicht, wann die Chemo vorbei ist. Das hängt davon ab, wie ich die Medikamente diesmal vertrage und wie lange mein Körper braucht, um die Blutwerte wieder steigern zu können. Wenn die Onkologen ihr OK geben, geht es erstmal definitiv in die Reha. Und danach?
Danach werde ich sehen müssen, wofür meine Kraft noch ausreicht. Ich habe gelesen, dass es Monate dauern kann, bis ich annährend das Leistungsniveau von vorher erreiche. Vielleicht erreiche ich es aber auch gar nicht mehr. Vielleicht, vielleicht, vielleicht…… An diesem Zeitpunkt habe ich das neue Land betreten und ich kann anfangen, es kennenzulernen. Wieviel kann ich laufen? Kann ich laufen? Schleichen sich neue Taubheiten oder neue Funktionsausfälle in meine Glieder? Wird die Fatigue wieder so wie stark wie vorher oder wird sie stärker? Kann ich arbeiten? Wie lange kann ich arbeiten? Kann ich wieder Auto fahren? Habe ich noch eine Chance die gegebene Situation zu verbessern? Wachsen meine Haare wieder so voll und dicht, wie ich sie kannte oder werden Lücken bleiben? Nehme ich wieder Medikamente um die MS in Schach zu halten?
Ich wünsche mir, dass das neue Land mir wohlgesonnen ist! Und ich hoffe, dass ich es anehmen kann. Keinesfalls möchte ich die jetzige Zeit mit Chemo, Bestrahlung und OP vergessen. Das ist mit ein Grund, dass ich alles aufschreibe. Denn vieles in mir hat sich verändert. Diese turbulenten Zeiten hinterlassen deutliche Spuren in mir. Die gehören jetzt zu mir und bestimmen meine Fußspuren, die ich auf dem neuen Land hinterlasse.

