Großes schwarzes Loch

Meine Depression ist wieder da. Schwerer und massiver, als ich sie in Erinnerung hatte.

Seit 2014 habe ich Antidepressiva genommen und eine Psychotherapie gemacht. Und es hat geholfen, habe mich wiederentdeckt und mich wohlgefühlt. Hatte sogar mit dem Gedanken gespielt, die Medikamente abzusetzen, weil ich mich gut fühlte und stark in mir. Dann kam die Diagnose Hirntumor und ich habe das Thema nochmal verschoben. Wollte kein Risiko eingehen, dass die schlechten Gefühle und Ängste mir während der Tumorbehandlung das Leben schwer machen. Fühlte mich auch erstaunlich wohl und gefestigt während der OP und der Bestrahlung.

Dann fing die Chemo an. Einer der Ärzte hat übersehen, dass sich meine Antidpressiva nicht mit den Chemomedikamenten vertragen. Mögliche Blutdruckkrisen mit Gefahr, bewusstlos zu werden, haben mich schnell überzeugt, auf meine „Glückspille“ zu verzichten. Und anfangs lief es auch ganz gut.

Mittlerweile läuft der 3. Zyklus und ich fühle mich beschissen. Ich bin so platt von der Chemo, dass ich nur kurze Strecken zu Fuß gehen kann, bevor ich schon wieder eine Pause brauche. Multitasking ist eine Science fiction Erzählung, denn ich muss mich entscheiden, ob ich entweder einen Apfel schnippel oder mich mit meinem Mann unterhalte. Ja sogar den Körper einfach aufrecht halten kostet viel Energie und lässt sich ohne Pause oftmals nicht länger als 10 Minuten durchhalten. Dann muss ich meinen Körper wieder abstützen. Fühle mich hilflos und überflüssig. Und schaue dabei zu, wie mein Mann – neben der Arbeit – noch das bisschen Haushalt wuppt. Während ich gefühlte 15 Stunden am Tag schlafe.

Mein Job wird jetzt von einer neuen Mitarbeiterin erledigt. Klar leuchtet mir ein, dass mein Arbeitgeber nicht ewig auf die Ausführung meiner Aufgaben warten kann. Aber jetzt ist die Neue da und wenn ich wiederkommen, sollen wir uns den Aufgabenbereich teilen. Zack – fünf Jahre harte Arbeit, aufgebaute Kontakte, verbesserte Strukturen, erkämpftes Vertrauen sind futsch.

Denn machen wir uns nichts vor, Erkrankungen nehmen Dir mehr, als z.B. das Laufen. Bedrohen mehr als Dein Leben in Sinne von Sterben. Sie reißen Dich von einem Tag auf den anderen aus einer vermeintlich heilen Welt, als ob Du gegen eine Betonwand gefahren wärst. Und dann ist absolut nichts mehr wie es einmal war. Denn auf einmal weisst Du, das Dein Leben endlich ist. Und dass Du von einer auf die andere Sekunde vielleicht nicht sehen kannst oder hören oder laufen oder…..

Und wenn Dir jemand sagst, dass wird jetzt eine Weile dauern, bis sie wieder die Alte sind – VERGISS ES – ich werde nie wieder die Alte. Vielleicht erlerne ich die Bewegungen/Funktionen wieder, vielleicht finde ich einen alternativen Weg, mein bisheriges Können zu umspielen bzw. anders auszuführen, aber in mir drin hat sich etwas verändert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert