Ein gutes halbes Jahr ist jetzt her, dass mein Mann diesen Blog für mich – auf meinen Wunsch hin – eingerichtet hat. Für diesen langen Zeitraum sind es ziemlich wenig Beiträge, die ich veröffentlicht habe. Und an mangelnden Gedanken liegt das nicht! Mir geht so viel durch den Kopf! Fragen, Ängste, Bullshit. Manchmal traue mich sogar, an die Antworten auf einige Fragen oder die Gründe für meine Ängste zu denken.
Aber veröffentlichen? Ich glaube es ist Angst vor Reaktionen, die mich davon abhält.
Natürlich soll eigentlich nicht jeder alles von mir wissen. Das lässt sich in einem Blog schlecht vermeiden. Ich kann ja nicht kontrollieren, wer mein „Gesabber“ liest. Und was ist daran letzten Endes schlecht?
Vielleicht liest es ja auch keiner. Weil es einfach uninteressant ist. Aber ich zum Beispiel lese gerne über andere Menschen und ihre Schicksale. Gerade habe ich „Mein Leben ohne mich“ von Carola Thimm gelesen. Das Buch hat mir gut gefallen. So etwas interessiert mich einfach. Und vielleicht finde ich ja ein klitzekleines Körnchen, was mir hilft – jetzt oder das nächste Mal, wenn ich vor einem Berg stehe und nicht weiß, wie ich d’rüber komme.
Und was kann ich verlieren? Ok, ich oute mich als Mensch mit Ängsten. Ja – an alle da draußen, die dachten ich wäre cool und souverän: ich bin nicht immer cool. Ich kann lustig sein, sorglos, witzige Sprüche reißen, kann zielstrebig und konsequent sein. In diesen Momenten bin ich stark, manches Mal vielleicht auch starrsinnig und kann kämpfen, bis ich die Antworten bekomme, die ich brauche oder die Gehaltserhöhung, die ich mir wünsche. Schnappe mir das letzte Produkt im Regal und flaniere erhobenen Hauptes mit meiner tollen neuen, quietschbunten Bluse – die anderen peinlich ist – durch die Straßen.
Aber – darf ich vorstellen – ich habe auch eine weiche Seite, habe manchmal Ängste, die mich ins Kissen heulen lassen. Bin oftmals gar nicht selbstbewußt, sondern unsicher und an manchen Tagen möchte ich mich auch nur im Bett verstecken und den Kopf unter der Decke vergraben.
Und während ich schreibe, merke ich, das das OK ist. Ich muß mich nicht schämen für meine „weiche“ Seite. Ich darf das. Es ist ein Teil von mir. Und es ist auch nicht verwunderlich. Ich habe MS und einen Hirntumor. Ein ständiges Damoklesschwert über meinem Kopf, denn ich weiß nie, was morgen ist oder nachher oder heute abend oder in 3 Wochen. Viellicht kann ich nicht mehr laufen, sehen oder meine Hände bewegen.
Und jeder der jetzt rumkotzt „Wo ist das Problem?“ soll bitte einmal – nur so für sich an sein liebstes Hobby denken. Auto fahren, Lesen, Free climbing oder segeln, kochen oder, oder, oder…. Denkt an den schönsten Moment, den ihr je dabei erlebt habt und wie wohl ihr Euch gefühlt habt. Malt es Euch in tollen Farben aus und schaut die Fotos von damals an.
Und jetzt – ein harter Schnitt. Von einem Tag auf den anderen geht es nicht mehr. Die Hand zittert und hält nicht mehr still, die Augen sehen doppelt, kein Gleichgewicht mehr da. DAS ist Krankheit. Von einem Moment auf den anderen kann es passieren. Dann ist nichts mehr wie es war. Ohne Ankündigung. Ohne eigenen Einfluß.
Mit dieser „Gefahr“ zu leben….ich bin der Meinung, dass ich schon ab und an Angst haben darf. Manchmal komme ich auch klar und denke nicht daran. Ich bin mir aber auch sicher, dass diese unterschiedlichen Phasen mich begleiten werden, bis ich in „die Kiste“ hüpfe. So wie die MS und die Tumorzellen.